Rezension von "Menschenverachtende Untergrundmusik?"
im "Underdog-Fanzine", 2006

 

 
"Menschenverachtende Untergrundmusik?"

(Philip Akoto; 120 S.; €13,80; ISBN 3-93306021-4; www.telos-verlag.de)

Philip Akoto, Jahrgang 1976, hat mit dem vorliegenden Buch zugleich seine Magisterarbeit am Institut für Soziologie der Westfälischen "Wilhelms-Universität" Münster geschrieben und beim Telos-Verlag publiziert. Dieser hat in der Vergangenheit bereits und besonders durch Verlagsbetreuer Dr. Roland Seim, viele, gute Werke zum Thema "Zensur" herausgebracht.

Der Titel ist von Funny van Dannen zweck entfremdet worden, passt aber zum Thema wie Tod und Teufel. Akoto untersucht die Todesfaszination zwiscen Entertainment und Rebellion am Beispiel von Gothic-, Metal- und Industrialmusik. Akoto selbst ist erfahrener Musiker und weiß, dass Heavy Metal, Gothic und Industrial Bestandteil zeitgenössischer Unterhaltungskultur mit dem Fokus auf Gewalt, Tod und Sterben darstellt. Er stellt die Frage, ob die Subkultur Todesfaszination/Gewaltverherrlichung oder gezielt provokative Proteststrategie ist und gelangt zur Erkenntnis, dass das Spiel phantasievoller Tabubrüche zum bloßen Selbstzweck geworden sein scheint. Sein Ziel ist es, das Handeln der Musiker als kreative, produktive Impulsgeber/Leitfiguren zu hinterfragen erreicht Akoto durch den für mich ausführlichen Kontakt zu Travis Ryan (Sänger der Band "CATTLE DECAPITATION"...nanu, kleiner Schreibfehler auf Seite 114 oben,!). Die Band schmückt sich auf der Homepage mit fremden Federn (u.a. PETA2), lehnt aber inhaltliche radikale Ideen ab, obwohl sie selbst Vegetarierer sind und im Song "Everyone deserves to die" den Menschen im Mittelpunkt des Schlachthaus-Szenarios rücken. "I don't eat meat or wear animal products. I appreciate the church of satan's philosophy", verteidigt sich Travis. Mit Sarkasmus und morbiden Bildern provozieren? Nun, die Musik ist undbleibt eine Form der Unterhaltung. Im Gegensatz dazu ist der religiöse Scheißhaufen MLO (Misanthrophic Luciferian Order) true satanism, wo es inhaltlich darum geht, in der Schlacht, die Wölfe von den Schafen zu trennen und die Chaostheorie zu verfolgen! Relogionsfanatiker jeglicher Couleur sind Faschisten!

Fazit: Mit dem Sieg der finnischen Hardrockband LORDI beim 51. "Eurovision Song Contest" werden pseudo-religiöse Botschaften wie "Hardrock halleluja" ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gerückt. Und vielleicht sind satanische Botschaften nicht länger "menschenverachtende UntergrundmusiK", sondern Bestandteil spezifischer Behandlungsmethoden in der städtischen Nervenheilanstalt.

Schwierig ist der Umgang einiger Künstler mit Sarkasmus (THE GREY WOLFES). Politisch unkorrekte/provokative Ästhetik, das Thema Tod, Sterben, Unmoral in Verbindung mit Verschwörungstheorien kombiniert, sollen den Hörer zu medienkritische Menschen machen. Nun ist es aber reine subjektive Einschätzung, die Provokation mit faschistischen Symbolen zu deuten, wenn viel Fragen offen bleiben und kein klares Statement zu erkenn ist. Es darf keine Grauzone geben.Schlussendlich hätte ich mir mehr Intis und Gespräche mit beteiligten Bands gewünscht, die durch gezieltes Befragen von sich und ihren Absichten zu Todesfaszinationen erzählen. Was steckt hinter der Fassade Sarkasmus/Provokation? So bleibt Musik Geschmacksache. Für den Einen Kunst und Unterhaltung, für den Anderen Krach und Teufelswerk, für den Anderen Orientierungshilfe in einer befremdlichen (Sub-)Kulturebene.


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UNDERDOG-Fanzine
*Autonomes *Zentralorgan*Wildeshausen

www.underdogfanzine.de
www.myspace.com/underdogfanzine

Besprechung von Fred Spenner im"Underdog-Fanzine", 2006

 

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